DOLOMITEN

DOLOMITI 2002

Klettersteige und mehr .....

Touren mit der Ski + Wanderabteilung des Turnvereins Neuenburg am Rhein

Basislager: St. Christina, Grödnertal, Zeit: September 2002

 
1. Tag: Mit einem merkwürdigen Gondellift (man steht alleine in einer Art aufrecht hängendem Klohäuschen) ließen wir uns vom Sellajochhaus (2.183 m) auf die Langkofelscharte (2.679 m) schleppen. Dort waren wir schon in den Nebelschwaden verschwunden und der Tag versprach nichts Gutes. Die schönen Höhenmeter zerronnen beim ¾ - stündigem Abstieg zur Langkofelhütte (2.252 m) wie das Eis in der Sonne, wussten wir doch, dass es gleich steil bergauf gehen sollte. Von der Hütte gings durchs Plattkofelkar zum Einstieg des „Oskar-Schuster-Steiges“. Das in den Führern angekündigte steile Schneefeld fehlte - war wohl im heißen Sommer weggeschmolzen. Der letzte Abschnitt zum Einstieg hatte es in sich: Sausteil und wegen dem Geröll ziemlich unangenehm. Wir waren froh, als wir endlich die Klettergurte überstreifen durften. Nun gings in die Felsen. In lustiger Kletterei, die nie gefährlich oder ausgesetzt war, durchstiegen wir die Nordseite des Plattkofels. Nur teilweise waren Drahtseile gespannt, man musste die ganze Zeit „mit dem Kopf und mit den Augen klettern“. Fast ausschließlich in Rinnen und über Wandstufen machte die Kletterei riesigen Spaß. Oben auf dem Plattkofel in 2.964 m angekommen, rissen auch kurz für Minuten die Wolken auf und gaben die Aussicht auf die Seiser Alm und die umliegenden Dolomiten­berge frei: Einfach grandios! Der von weitem flach aussehende Plattkofel­rücken entpuppte sich doch als recht steile Rampe und der Weg zur Plattkofelhütte (2.297 m) wollte kein Ende nehmen. Entschädigt wurden wir in der Hütte: Unsere Freunde, die den Steig nicht mitmachen wollten und unten herum um den Plattkofel gewandert waren, warteten schon mit einem Bier auf uns. Die Sangeskünste einer italienische Wandergruppe waren der Grund, dass wir länger in der Hütte blieben, als beabsichtigt. Endlich wieder unterwegs, kam uns der Rückweg zum Sellajochhaus irgendwie lang vor............
 
2. Tag:
 „Pisciadú!“ war das Losungswort beim „Briefing“ am Frühstückstisch des zweiten Tages. Schönes Wetter lockte uns zum Exnerturm. Die dortige Hängebrücke war berühmt. Der Parkplatz war in einer Kehre, etwa 2 km vom Grödner­joch in Richtung Corvara angelegt. Dass auch Reisebusse hielten und dutzende Leute mit Helm und Klettergurten ausspuckten, lies zu Beginn noch keinen Verdacht aufkommen. Nach 15 Minuten waren wir an einem Steilaufschwung, der mit Klammern gesichert war. Hier war der erste Kletterer-Stau zu verzeichnen. Noch waren wir ahnungslos.... Es ging nun unschwierig zum Hauptteil des Klettersteiges. Dort traf uns fast der Schlag: Soweit wir schauen konnten waren im Felsen Menschen, unter- und übereinander, Kopf an Fuß, Ameise an Ameise.... Senkrecht hinauf, an Leitern hängend, an Klammern geklammert, an Stiften und Drahtseilen angeseilt.... Und viele gehörten da einfach nicht hin! Wenn die „Hosenscheißer“ vor lauter Zittern minutenlang den Karabiner nicht aufkriegen, dann verzweifelt man hintendran und der nächste Stau ist vorprogrammiert. Warum macht man denn solch schwierige Touren, vielleicht sogar als ersten Klettersteig überhaupt im Leben? Naja, vier Leuten von uns machte das einfach keinen Spaß mehr und bogen ab, ungesichert in den „normalen Fels“. In Schwierigkeit zwei bis drei zischten sie an der Kolonne vorbei bis zur Hängebrücke. Die Hängebrücke war das nächste stauverursachende Kernstück des Steiges: Jeder und jede musste sich von vorn und von hinten knipsen lassen um dann auch noch selbst die anderen und die Schlucht unter den Füßen zu fotografieren und umgekehrt. Nun war Warten angesagt. Die andere Hälfte der Gruppe kam erst über eine halbe Stunde später an die gleiche Stelle. An der Pisciadu-Seehütte (2.583 m), gleich hinter der Hängebrücke, lockte das Bier und die Spaghetti. Armin, der Unermüdliche, joggte noch auf den Pisciadúgipfel (2.985 m) und war in einer Stunde (!) rauf und runter gerannt. Wir konnten nun durch das Val Setus absteigen. Wobei das absteigen eher ein hinunterstürzen war, denn im flotten Jogging rannten wir in einer halben Stunde auf dem Wanderpfad und rutschten über die Geröllhänge steil hinunter zum Parkplatz.
 
 3. Tag:
Der dritte Tag war wieder Nebel verhangen. Der Wetterbericht brachte Regen und so beschlossen wir, nur einen kurzen Steig von ein bis zwei Stunden zu gehen, denn so könnte man jederzeit umkehren und wäre gleich zurück im Trockenen. Deshalb nahmen wir die Cirspitzen vom Grödnerjoch aus aufs Korn. Der Klettersteig auf die große Cirspitze war eher ein Wanderpfad mit Drahtseilsicherungen und recht gutmütig. Zwei unserer Kletterer hatten noch nicht genug und stiegen nach dem Abstieg von der großen Cirspitze noch auf die Kleine (Nr. V). Dieser Steig war sehr „lustig“. Nagelneue Stahlseile und gewagt aufgehängte Leitern kennzeichneten diesen schön angelegten Klettersteig. Der Aufstieg wurde links herum bewältigt bis zum einfachen Gipfelkreuz auf dem man wirklich allein war. Der krasse Gegensatz zum gestrigen überlaufenen Publikumsmagneten. Im Uhrzeigersinn ging´s dann auch wieder hinunter, so dass sich die Kletterer wirklich nicht in die Quere kommen könnten, wenn es denn welche gegeben hätte.
 
4. Tag: 
 Am vierten Tag fuhren wir bei Sonnenschein los in Richtung „Rosengarten“. Über das Sellajoch hinunter ins Fassatal und dann wieder den Karerpass hinauf, ab dort in Richtung Nigerpass. An der Talstation der Seilbahn zur Kölner Hütte war der Parkplatz. Einige unserer Gruppe wanderten auf fast ebenen Wegen zum "Christomannos Denkmal". Die Kletterergruppe wagte sich an den „Santnerpass“ heran. Ein gemütlicher Klettersteig mit wenigen Schwierigkeiten und zu dieser Jahreszeit auch ohne das berüchtigte steile Schneefeld. Doch es ging schon wieder los: Nach einigen Minuten Wartezeit in einer nicht enden wollenden Klettererschlange riss schon der Gedulds­faden einiger unserer Freunde. Genau wie am Pisciadú stahlen sie sich dann seitlich davon. Mit einigen wenigen Aufschwüngen war man schon an der Schlange vorbeigezogen und konnte sich genüsslich dem Schlussteil Ersthelfer Armindes Steiges widmen. Auf der Hütte angekommen gabs gleich ein bisschen Aufregung, weil der Rettungs­hubschrauber anflog und eine verletzte Person aufnahm. Armin musste auch noch an der Krankentrage helfen, die Verletzte in den Heli zu bugsieren. 
Viel später kam der Rest der Gruppe. Sie hatten am Schluss im Nebel die 50 m entfernte Hütte nicht gesehen und mussten sogar schwäbische (!) Kletterfreunde nach dem Weg fragen. Beim Abstieg von der Santnerpass-Hütte ins „Gartl“ wurde das Wetter immer schlechter. Die Vajolett-Türme lagen greifbar nah vor uns. Doch die fortgeschrittene Zeit lies es nicht zu, wie vorgesehen, den kleinen Turm zu besteigen. Diese Entscheidung war richtig, wie sich später herausstellte. An der Vajolett-Hütte angekommen, fing es zu regnen an und wir sputeten uns über das Tschager-Joch wieder zur Kölner Hütte zu kommen. Trotzdem ein schöner Tag im Rosengarten.
 
5. Tag: 
 Der fünfte Tag versprach wieder schönes Wetter. Wir wollten unserem Chauffeur mal Ruhe gönnen und stiegen direkt von St.Christina auf. Das erste Stück nahmen wir die Fünfer-Gondel auf den Col Raiser. Von dort ging es über die Regensburger Hütte weiter bis zum Wegweiser am Aufstieg zum Sass Rigais. Dieser Brocken gehört zur Geissler Gruppe, ist jedoch im Gegensatz zu den Geisslerspitzen ein völlig anders geformter Berg. Leider sahen wir dies nicht. Denn kaum waren wir in den Fels ein­gestiegen kam der obligatorische Nebel und es war keine Aussicht mehr möglich. Der Klettersteigaufstieg über das Mittagstal war mit relativ neuen Stahlseilen ausgestattet und wir brauchten keine Angst zu haben, dass die Seile uns nicht halten. Über viele ausgesetzte Stellen führte der Steig bis zum wirklich toll gestalteten Gipfelkreuz in 3.025 m Höhe. Der Abstieg führte über das Wasserrinnental ebenfalls drahtseil­gesichert. Am Wegweiser kamen die beiden Wege wieder zusammen. Schade, dass wir keine Aussicht hatten.
 
6. Tag: 
 Der letzte Tag sollte der Hammer werden. Aufgrund der Vorbemerkungen unseres Guides (meinereiner) blieben lediglich vier Kletterer übrig, die auf den Piz Boe auf der Sella steigen wollten. Der Rest erkundete die Gegend um die Seiser Alm oder am Grödner Joch. Der Tag war herrlich, die Sonne schien und man konnte endlich die mitgebrachte Sonnenschutzcreme benutzen. Nachdem wir am Pordoijoch geparkt hatten, gingen wir zuerst zum deutschen Kriegerdenkmal. Von dort führte der Weg schnurstracks zur Sella hin. Nach drei Stunden Schufterei ab Parkplatz endlich der Einstieg. Wir schauten noch drei Kollegen zu, die vor uns einstiegen und machten noch die entsprechenden Witze, doch dann wurde es knüppeldick. Eine senkrechte, 30 m hohe, glatte Einstiegswand erforderte alle Kraft und Geschicklichkeit.
 Wer diese Hürde genommen hat, würde nichts mehr schocken, stand im Führer. So war es nicht gerade. Immer wieder kam so ein Schocker und schon bald auch eine Hängebrücke ohne Bodenbelag. Nur auf den Seilen balancierend - wie die Amazonasindianer - kam man auf die andere Seite.
 Ein Kamin in den man sich zwängen musste, erforderte, dass die Rucksäcke separat auf das nächste Band gezogen werden mussten. Insgesamt erinnerten die Felsformationen sehr an die Brenta. Immer wieder mussten wir auf das nächst höhere Band hinaufklettern. Und immer vollständig ausgesetzt und absolut senkrecht über der Einstiegsstelle, die mittlerweile einhundert Meter unter uns lag. Nach dem Hochplateau wurde es gemütlicher. Nur noch wenige Höhenmeter trennten uns jetzt vom Gipfel, dem Piz Boe in 3.152 m Höhe. Unser höchster Klettersteig in dieser Woche. Den Rückweg nahmen wir ab der Pordoibergstation mit der 70er Gondel. Vorher schauten wir noch mit dem Bauch auf dem Boden liegend, senkrecht die Sella-Wände hinunter ins Tal. Die Rückfahrt mit dem Auto wurde wegen der Musik von „Runrig“ zur tollen Meditation.
 Eine herrliche Woche in den Dolomiten ging zu Ende. Wir fühlten uns sehr wohl im Grödnertal bei unserem Wirt Bruno Senoner in der Pension Elisabeth in St.Christina.
 
 

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